Wissensmanagement (von englisch Knowledge Management) ist ein zusammenfassender Begriff, unter dem man die strategischen und operativen Aktivitäten einer Firma zusammenfasst, um die bestmöglichen Rahmenbedingungen für das Finden, Teilen, Anwenden und Bewahren von Wissen zu schaffen.

Inhaltsverzeichnis

  1. Bedeutung innerhalb der Betriebswirtschaftslehre
  2. Wissen
  3. Wissensarten
  4. Idealtypische Modelle
  5. Wissenmanagementsprozess
  6. Wissensmanagementstrategien

Bedeutung innerhalb der Betriebswirtschaftslehre


In der heutigen Zeit wird es auf Grund der immer größeren globalen Vernetzungen, der wachsenden Größe von Unternehmen und den schnelleren Umweltveränderungen immer wichtiger, das entstehende und vorhandene Wissen innerhalb einer Firma effektiv zu managen:
„Erfolg beziehungsweise Misserfolg von Unternehmen hängen unter Umständen davon ab, dass man weiß, ob Daten, Informationen oder Wissen benötigt werden, was davon vorhanden ist und was mit dem einen oder anderen bewirkt werden kann.”[1]
Durch die hohe Bedeutung der Innovationen für Unternehmen bedarf es insbesondere an Wissensmanagementsystemen, durch die die Entstehung und Weitergabe von Wissen ermöglicht wird. Der Verknüpfung von Geschäftsprozessen mit den Wissensmanagementzielen kommt somit eine strategische Bedeutung zu.

Wissen


Hauptartikel: Wissen
Unter Wissen versteht man in diesem Kontext die Gesamtheit der Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten, die Personen zur Lösung von Problemen einsetzen[2] . Besondere Bedeutung kommt dabei der Unterteilung in implizites und explizites Wissen zu.

Wissensarten


Einen Überblick über die verschiedenen Wissensarten bietet die folgende Darstellung in Form eines Wissenswürfels[3] .
So kann Wissen kollektiv oder individuell, extern oder intern, sowie implizit oder explizit sein:
Wissenswürfel.gif
Der Wissenswürfel

Individuelles vs. Kollektives Wissen

Wie bereits oben genannt, kann Wissen kollektiv oder individuell sein. Unter Kollektivem Wissen versteht man in diesem Kontext das gemeinsame Wissen einer Referenzgruppe wie etwa das Wissen in den Routinen, Praktiken und Normen von Organisationseinheiten. Individuelles Wissen ist an jeden individuell gebunden und wird sonst mit niemandem sonst geteilt.

Internes vs. Externes Wissen

Unter internem Wissen versteht man das interne Wissen einer physischen Einheit, etwa einer Organisation. Alles Wisse was außerhalb dieser Organisation liegt, ist somit extern. Beispielhaft hierfür sind Organisationswissen in einer Abteilung (intern) und das Wissen bei Kooperationspartnern des Unternehmens (extern).

Explizites vs. Implizites Wissen

Die Unterteilung von Wissen in explizites und implizites Wissen geht auf den Philosophen Michael Polanyi zurück und wurde daraufhin von anderen Disziplinen aufgenommen. So unterteilte auch der japanische Professor für Wissensmanagement Ikujiro Nonaka Wissen in diese beiden Kategorien und prägte somit entscheidend das heutige Verständnis von Wissenmanagement. Polyani zufolge ist explizites Wissen durch Dokumente oder Systeme zu finden. Man kann das Explizite Wissen speichern und vermitteln. Ganz verschieden ist hingegen das Implizite Wissen : dieses Wissen ist etwas Geistiges. Es beinhaltet so die Kenntnisse, die angeboren oder erworben sind. Man kann zum Beispiel das Know-How oder die Erfahrung eines Menschen als Implizites Wissen beschreiben. Oft ist es schwer, dieses implizite Wissen zu formulieren. Laut Nonaka sind die zwei Arten von Wissen von Grund auf verschieden (nach Nonaka, 1991): Explizites Wissen ist eindeutig und systematisch. Man kann über dieses Wissen sprechen, und man kann es verteilen, zum Beispiel durch eine wissenschaftliche Formel oder ein Computerprogramm. Implizites Wissen ist schwer zu formulieren und zu kommunizieren. Es ist tief in der Tätigkeit des Individuums verankert. Es ist zum Beispiel das Know-How eines Bäcker der die besondere Technologie eines Produktes. Was Implizites Wissen betrifft, gibt es eine kognitive Dimension, welche mit geistigen Modellen verbunden ist. Es ist so tief verankert, dass es schwierig ist, dieses Wissen zu artikulieren.

Idealtypische Modelle: Die verschiedenen Ansätze des Wissensmanagements


Hauptartikel: Modelle des Wissensmanagement
Generell werden heutzutage zwei Generationen von Ansätzen im Wissensmanagement beschrieben: Die erste Generation und die zweite Generation. Im Mittelpunkt der ersten Generation steht die Organisation von Informationen, die für das Unternehmen relevant sind. Es ist vor allem ein technischer Ansatz, bei dem beispielsweise Datenbanken zum Management herangezogen werden. Allerdings wurde dieser Ansatz stark kritisiert, da er den sozialen Kontext vernachlässigt und er auf der Annahme beruht, dass Wissen in expliziter und abrufbarer Form vorliegt und sich problemlos von einer auf die andere Person übertragen und abspeichern lässt. Die zweite Generation beinhaltet hingegen auch den sozialen “Entstehungs- und Verwendungszusammenhang” von Wissen. Hierbei bildet vor allem das Modell der Wissensspirale, auch SECI Modell genannt (nach Nonaka und Takeuchi, 1995), den Mittelpunkt. Bei diesem Modell geht es vor allem um die Idee der Konversion: Der Kreislauf, wie implizites Wissen in explizites Wissen übertragen, und danach wieder in implizites Wissen umgewandelt wird. Dieses Modell wird jedoch auch stark kritisiert. Polanyi beispielsweise ist der Ansicht, dass der Versuch, implizites in explizites Wissen umzuwandeln nicht nur unmöglich ist, sondern es sogar zerstören würde.

Wissensmanagementprozess


In der akademischen Literatur gibt es geringfügige Abweichungen in der Darstellung des Wissensmanagementprozesses, jedoch sind die zugrunde liegenden Konzepte sehr ähnlich. Die vier grundlegenden Bausteine sind die Wissensentstehung, -archivierung, -transfer und –anwendung.

Wissensentstehung

Wissensentstehung, die erste Phase des Knowledge Management Prozesses, setzt sich mit der Entstehung bzw. Identifikation von Wissen auseinander. Das Wissen in einem Unternehmen kann in vielen verschiedenen Bereichen gefunden werden bzw. angesiedelt sein. Wissensentstehung beruft sich dabei auf das Ersetzten des bereits existierenden Unternehmenswissen mit neuem Wissen.

Wissensarchivierung

Wissensarchivierung ist extrem wichtig, da Unternehmen Wissen wieder vergessen können (Argote et al. 1990). Dies bedeutet, dass das identifizierte Wissen in einer Form gespeichert werden muss, damit es später von allen wieder einfach abrufbar sein kann. In diesem Fall sind elektronische Datenbanken und oder auch ein firmeneigenes Intranet einfache Mittel um alle Beteiligten in dem Wissensarchivierungsprozess einzubinden und den Erhalt von Wissen zu fördern.

Wissenstransfer

Beim Wissenstransfer wird von dem Austausch von Wissen aber auch Daten und Informationen gesprochen. Dieser Transfer erfolgt auf unterschiedlichen Leveln, zwischen einzelnen Mitarbeitern, von tazitem zu explizitem Wissen, zwischen einzelnen Mitarbeitern und dem Unternehmen sowie zwischen verschiedenen Gruppen oder auch Abteilungen in einem Unternehmen. Hierbei ist es wichtig sicherzustellen, dass das spezifische Wissen auch dort ankommt wo es benötigt wird. Bulletin Bords, Diskussionsforen oder auch spezielle Ordnungssysteme können den Vorgang unterstützen, in dem unterschiedliche Transfer Channels gleichzeitig zugänglich sind. Somit wird ein schneller Zugriff auf wichtiges Unternehmenwissen möglich.

Wissensanwendung

Wissensanwendung bzw. Wissensnutzung ist die letzte, jedoch höchstwahrscheinlich auch wichtigste Phase des Wissensmanagementprozesses da nur angewandtes Wissen als ein Wettbewerbsvorteil genutzt werden kann. Verschiedene IT Systeme können hierbei helfen eine Integrations- und Anwendungsplattform des Wissens zu formen bzw. die Erfassung, Aktualisierung und Zugänglichkeit der organisatorischen Richtlinien zu verbessern.


Wissensmanagementstrategien


Heutzutage existieren verschiedene Wissensmanagement-Strategien, die von Unternehmen unterschiedlich stark verfolgt werden. Unterschiede finden sich auch bezüglich der Zielgruppe innerhalb, der Lerngeschwindigkeit und dem Innovationgrad einer Organisation. Im Fokus der Strategien stehen dabei Geschäftsprozesse, Organisation und die sozio-technologische Gegebenheiten einer Organisation.
Die engagiertesten Firmen begreifen Wissensmanagement in diesem Kontext als Unternehmensstrategie, unter der das Unternehmen auf das Managen des Produktionsfaktors Wissen ausgerichtet wird, um einen Wettbewerbsvorteil aufrecht zu erhalten. Dem entgegengesetzt wird das Verständnis, Wissen als individuelle Verantwortlichkeit zu sehen, wo das Individuum selbst die treibende Kraft des Wissensmanagement ist. Diesem Verständnis folgend werden Mitarbeiter in diesen Firmen geschult, eigenverantwortlich Wissen zu strukturieren, speichern und teilen.




Quellen
  1. ^ Davenport, T. & Laurence, P.(1999). Wenn Ihr Unternehmen wüsste, was es alles weiß. Das Praxisbuch zum Wissensmanagement.S.25.
  2. ^ North, K.(1998). Wissensorientierte Unternehmensführung-Wertschöpfung durch Wissen. Gabler Verlag.
  3. ^ Warnecke, G.; Gissler, A.; Stammwitz, G. (1998): Referenzmodell Wissensmanagement: Ein Ansatz zur modellbasierten Gestaltung wissensorientierter Prozesse. In: Informationsmanagement & Consulting, 1 (1998) S 24-29.