Das Münchener Modell des Wissensmanagements befasst sich im Vergleich zu anderen Modellen des Wissensmanagements gleichzeitig mit humanorientiertem und technologieorientiertem Wissen. Dies geschieht in einem Umweltkontext, der vom Lernen bzw. einer Lernkultur geprägt ist. Die hier vorgeschlagene Perspektive setzt voraus, dass der Mensch der „Ort des Wandels“ ist d.h. es kommt auf die einzelnen Fähigkeiten und Interessen und Denkweise des Individuums an, wenn man eine bereits existierende Unternehmensstruktur verändern möchte. Parallel dazu ist die Organisation als kollektives Individuum als „Ort des Handelns“ zu betrachten, da auf dieser Ebene Konzepte und Methoden entwickelt und implementiert werden können, die zu einer neuen Organisationsstruktur oder auch einer innovationsfreudigen Organisationskultur führen können.
In dem Artikel von Reinmann-Rothmeier sind zwei Arten von Wissen identifiziert, Wissen als Objekt und Wissen als Prozess. Hierbei wird unterschieden zwischen Wissen als „fester“ Gegenstand, beispielsweise Enzyklopädieeintraege oder Best Practices, und Wissen als „flüssiger“ Gegenstand, beispielsweise direkten menschlichen Kontakt von Angesicht zu Angesicht.[1] Wissen wird gleichgesetzt mit dem englischen Wort „knowledge“ d.h. ein antastbares Objekt sowie dem englischen Wort „knowing“ d.h. kontinuierliches Wissen oder auch „handlungsinhärentes Wissen“.[2] Diese Unterscheidung zwischen dem Informationswissen und dem Handlungswissen ist auch in der unteren Graphik wiedergespiegelt. Hierbei ist auch die bekannte „Wasseranalogie“ zu verstehen, wobei Wissen mit der jeweiligen Form (fest, flüssig, gas) von Wasser verglichen wird.

Vier Bereiche
Wie in der unten abgebildeten Graphik erkenntlich ist, teilen Reinmann-Rothmeier und Mandl Wissensmanagement in vier Bereiche ein: Wissensrepräsentation, -nutzung, -kommunikation und –generierung.
Münchner_Modell_1.png
Wie oben erwähnt wurde, finden sich in diesem Modell sowohl organisationales und individuelles Wissen als auch Informationswissen und Handlungswissen wieder. Wissensmanagement wird hier noch einmal verdeutlich als ein Begriff, der die beiden Hauptkomponenten verbindet, Technik und Personal, also Mensch und Technik.
Nun kommt es auf vier verschiedene Bereiche an, die immer in Zusammenarbeit vorkommen müssen. Die einzelnen Wissensbereiche werden in der nachfolgenden Sektion definiert.

Wissensrepräsentation
Bei der Wissensrepräsentation handelt es sich um den Versuch Wissen in einer bestimmten Form tastbar zu machen[3] für die Mitarbeiter eines Unternehmens. Ein Unternehmen muss eine eindeutige Wissensrepräsentation sehen, damit die Organisation und der Zugriff auf gerade brauchbares und benötigtem Wissen garantiert werden kann. Damit dies sichergestellt werden kann, muss in dem einzelnen Unternehmen eine Organisationskultur vorhanden sein, die Knowledge Sharing und den Austausch und Kommunikation mit allen Mitarbeitern fördert. Wissen darf nicht als individuelles Machtinstrument gesehen werden.

Wissensnutzung
Nur die Anwendung von Wissen ist nutzbar für ein Unternehmen und Wissensnutzung sollte darauf abzielen „Wissen anwendbar zu machen“[4] . Mitarbeiter müssen sich im Klaren darüber sein, dass dieser Schritt nicht immer einfach ist. Oft finden sich viele Hindernisse und Barrieren, die überwunden werden muessen um eine einheitlichen Nutzung des angesammelten Wissens zu erreichen. Diese sind oft, jedoch nicht ausschliesslich, organisatorische wie auch systembedingte Hindernisse, beispielsweise eine noch fehlende Kommunikationsinfrastruktur oder auch eine noch vorhandene Belohnung der Fehlervermeidung. Beides können Gründe darstellen, die die eigentliche Implementierung und damit auch die Wissensnutzung behindern oder gar verhindern können.

Wissenskommunikation
Wissensaustausch und Wissenstransfer sind auch in allen anderen Modellen als einzelne Schritte zu finden[5] , so auch hier. Die Förderung des Wissensaustausch muss von einem Unternehmen gefördert und erwartet werden, damit alle Mitarbeiter involviert werden können z.B. in einer Neustrukturierung des Unternehmens. Auch hier treten ähnliche Probleme auf wie bei der Wissensrepräsentation: Mitarbeiter sollten genügend Vertrauen in die Organisationskultur haben um einen ungehinderten und vollständigen Austausch von Informationen zu ermöglichen.

Wissensgenerierung
Wissensgenerierung bezeichnet wiederum den Transfer von Informationen zu relevantem Wissen. Die Wissensgenerierung ist sozusagen die Quelle des Wissens in einem Unternehmen und es sollte sicher gestellt werden, dass sie nicht versiegt. Unter anderem kann es innnerhalb eines Unternehmens eine Unternehmenskultur, die es nicht zulässt bereits entwickelte Prozesse kritisch zu beurteilen und offen darüber zu diskutieren. Fehlende „Freiräume“[6] führen dazu, dass Mitarbeiter einerseits nicht kritisch denken sondern auch nicht die Fähigkeiten entwickeln um neues Wissen zu generieren.

Generell kann man sagen, dass nach einer Umstellung oder Veränderung innerhalb eines Unternehmens eine Evaluation erfolgen muss. Dies dient der Sicherstellung von Nachhaltigkeit und erfolgreicher Implementierung. Nur wenn dies geschieht kann ein Unternehmen als Ganzes von Fehlern lernen, Verbesserungen vorschlagen und neues Wissen generieren, austauschen und auch nutzen.

Communities
Die Nuance, dass Wissensmanagement sich nicht nur auf einen Aspekt konzentrieren sollte, veranlasste die Autoren in der Gestaltung ihres Modells eine klare Verbindung zwischen den menschlichen Aspekten des Wissensmanagements und den rein technischen Aspekten darzustellen. Dies wird deutlich wenn die, fachlich bezeichneten, Communities mit ein bezogen werden. Dies ist unten dargestellt.
Münchner_Modell_2.png
Die sogenannten Communities dienen hierbei als ein Begriff, der das Umfeld eines Unternehmens bezeichnet in dem Wissensmanagement eingesetzt werden soll. Ohne eine fördernde Platform, die einen Kommunikationsaustausch emphasiert und Innovationen bzw. das innovative Denken selbst vorantreibt, kann Wissensmanagement und damit auch Wissensgenerierung und Wissenskommunikation nicht stattfinden. Mit einem solchen Umfeld oder auch Community, also einer unstrukturierten Zusammensetzung von verschiedenen Menschen mit den gleichen Interessen, kann dementsprechend der Wissensmanagementsprozess unterstützt und ermöglicht werden.

Quellen
  1. ^ Reinmann-Rothmeier, G.(2001). Wissen managen: Das Münchner Modell.(Forschungsbericht Nr.131). München: LMU, Lehrstuhl für Empirische Pädagogik und Pädagogische Psychologie.
  2. ^ Reinmann-Rothmeier, G.(2001). Wissen managen: Das Münchner Modell. (Forschungsbericht Nr.131). München: LMU, Lehrstuhl für Empirische Pädagogik und Pädagogische Psychologie
  3. ^ Reinmann-Rothmeier, G.(2001). Wissen managen: Das Münchner Modell. (Forschungsbericht Nr.131). München: LMU, Lehrstuhl für Empirische Pädagogik und Pädagogische Psychologie
  4. ^ Reinmann-Rothmeier, G.(2001). Wissen managen: Das Münchner Modell (Forschungsbericht Nr. 131). München: LMU, Lehrstuhl für Empirische Pädagogik und Pädagogische Psychologie.
  5. ^ Nonaka I., & Konno, N. (1998) The Concept of Ba: Building a Foundation for Knowledge Creation. California Management Review, 40 (3), 40-54.
  6. ^ Reinmann-Rothmeier, G.(2001).Wissen managen: Das Münchner Modell (Forschungsbericht Nr.131). München: LMU, Lehrstuhl für Empiritsche Pädagogik und Pädagogische Psychologie.