Das Modell des integrativen Wissensmanagements nach Reinhardt und Pawlowsky ist eine Erweiterung des organisationalen Lernens und soll eine Voraussetzung für ein integratives Wissensmanagement schaffen. Ziel dieser Konzeption ist die Gestaltung organisationaler Lernprozesse.[1]

Dazu wird der Prozess des Lernens in verschiedene Systemebenen unterteilt, welche miteinander verbunden sind. Die Lernebenen beinhalten interpersonales, intrapersonales, intraorganisationales und interorganisationales Lernen. Unter Lernformen versteht man das Lernen als Differenzierung und Integration kognitiver Strukturen oder Lernen als Veränderung von Valenzen und Werten in kollektiven Wissenssystemen. Weitergehend befassen sich die Lerntypen mit einfachem Stimulus-Response-Lernen oder Problemlösungslernen, und die Lernprozesse koennen als Phasen des organisationalen Lernens gesehen werden.[2]

Das Modell ist in vier Phasen unterteilt: 1. Identifikation und Generierung, 2. Diffusion, 3. Integration und Modifikation und 4. Aktion.

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Quelle: Muehlethaler, Barbara: “Wissensmanagement - Stand der Forschung und Diskussionsschwerpunkte”, 2005.

Identifikation und Generierung: Während der ersten Phase wird die Umwelt gezielt beobachtet, um somit Informationen, welche relevant für das Geschäftsfeld oder die Strategie des Unternehmens sein können, herauszufiltern. Dabei ist zu beachten, dass Wissen in dieser Phase durch internes sowie externes Wissen generiert wird, indem beide Teile miteinander kombiniert werden. Auch wird in diesem Schritt implizites in explizites Wissen umgewandelt.[3]

Diffusion: In der zweiten Phase des Modells von Reinhardt und Pawlowsky gilt es herauszufinden, wie das generierte bzw. identifizierte Wissen im Unternehmen verteilt wird. Hierzu werden Kommunikationskanäle, Formen der Kommunikation, sowie Kommunikationsbarrieren innerhalb des Unternehmens untersucht. Insbesondere ist es relevant, das seine Bereitschaft dazu besteht, Wissen von verschiedenen System in andere zu übertragen und dazu auch die notwendigen Mittel zur Verfügung stehen.[4]

Integration und Modifikation: Diese Phase beschäftigt sich mit der Frage, wie das hinzukommende Wissen in das bisherige System eingebaut werden kann. Hierbei kann entweder bestehendes Wissen erweitert werden (Integration), bereinigt, oder aber auch ignoriert werden. Daher ist es besonders wichtig, Verunsicherungen, die zu Inakzeptanz führen können, vorzubeugen.[5]

Aktion: Diese Phase schliesst den Kreis des integrativen Wissensmanagement Modells. Es geht nun um die Konsequenzen, welche das neue Wissen mit sich bringt. Eine mögliche Aktion ist beispielsweise die Korrektur von sich herausstellenden Mängeln im System. Indem man sich kritisch mit den Auswirkungen auseinander setzt, können neue Ideen entstehen, wobei man somit wieder zu Phase 1 gelangt.[6]

Kritik
Da es sich bei dem integrativen Modell um einen Kreislauf handelt, muss der Prozess nicht zwangslaeufig in der ersten Phase beginnen, was das Vorgehen sehr flexibel gestaltet. Allerdings handelt es sich vielmehr um einen theoretischen Ansatz, welcher das ‘operative Wissensmanagement’ kaum unterstützt.[7]



Quellen
  1. ^ Muehlethaler, Barbara: “Wissensmanagement - Stand der Forschung und Diskussionsschwerpunkte”, 2005.
  2. ^ Muehlethaler, Barbara: “Wissensmanagement - Stand der Forschung und Diskussionsschwerpunkte”, 2005.
  3. ^ Kopetzky, Markus: “Prozessorientiertes Wissensmanagement – Konzeption eines integrierten Vorgehensmodell”, 2005.
  4. ^ Dengler, Sandra: “Integratives Wissensmanagement nach Pawlowsky”, 2007.
  5. ^ Kopetzky, Markus: “Prozessorientiertes Wissensmanagement – Konzeption eines integrierten Vorgehensmodell”, 2005.
  6. ^ Kopetzky, Markus: “Prozessorientiertes Wissensmanagement – Konzeption eines integrierten Vorgehensmodell”, 2005.
  7. ^ Muehlethaler, Barbara: “Wissensmanagement - Stand der Forschung und Diskussionsschwerpunkte”, 2005.