Geschäftsprozessorientiertes Wissensmanagement (GPoWM) beschreibt den Ansatz, das Wissensmanagement eines Unternehmens auf die Geschäftsprozesse zu fokussieren.[1]
Ziel ist die Wissensverarbeitung in den operativen Geschäftsprozessen zu erkennen und weiterzuentwickeln. Das GPoWM soll so direkt zur Wertschöpfung innerhalb des Unternehmens beitragen.

Gemäß des Verständnisses, das ein systemischer Umgang mit Wissen das Erzeugen, Speichern, Verteilen und Anwenden von Wissen zum Kern hat werden Geschäftsprozesse mit Hilfe verschiedener Anwendungen (z.B. KMDL oder erweiterten XML-Netzen) modelliert und durch Anwendungssystemen (z. B. Workflow-Managementsysteme) zugänglich gemacht.[2]
Es werden jedoch nicht nur softwaregestützte Anwendungen unterstützt um die vier Kernbereiche des Wissensmanagement zu erfüllen, sondern ebenso bestehende WM-Methoden wie beispielsweise Communities of Practice oder Storytelling.

Beispielhafter Prozess:
1. Bestimmung des Unternehmensbereiches Ein Unternehmensbereich für Maßnahmen wird bestimmt, abgestimmt auf die Unternehmensstrategie, die Kernkompetenzen und die generelle WM-Strategie. 2. Auswahl des wissensintensiven Geschäftsprozesses Danach folgt die genauere Betrachtung der Geschäftsprozesse innerhalb des Unternehmensbereiches. Ziel ist es einen wissensintensiven Geschäftsprozess zu identifizieren, einen Kernprozess des Unternehmens, dessen Untersuchung wichtige Erkenntnisse in der Wissensverarbeitung birgt. WM-Ziele werden hier bereits aus der WM-Strategie abgeleitet und definiert. 3. Wissensmanagement-Audit der Rahmenbedingungen Im nächsten Schritt werden die Rahmenbedingungen sondiert und die Ausgangslage bestimmt. Dies ist auch wichtig im Hinblick auf den ROI-KM, den Return on Investment. 4. Analyse des wissensintensiven Geschäftsprozesses Durch eine Analyse des wissensintensiven Geschäftsprozesses können Verbesserungspotenziale bestimmt, Stärken erkannt und Wissensbedarf festgehalten werden. Dies ist wichtig, um anschließend Lösungsszenarien bestimmen zu können. 5. Lösungsszenarien mit WM Gestaltungsbausteinen Diese werden mit verschiedenen WM Gestaltungsbausteinen durchgespielt und durch die Integration von Best-Practice Bausteinen komplettiert. Dabei sollten die Lösungsszenarien stets Bezug zur aktuellen Problemstellung haben.6. Gestaltungsmaßnahmen und Einführungsprozess planen Ist eine Lösung gefunden, geht es in den nächsten Schritten um deren Implementierung. Dabei geht es zunächst darum, den Einführungsprozess der Veränderung zu planen und Fragen wie die Interne Vermarktung der Lösung.7. Realisierung und Einführung der WM-Pilotlösung Eine anschließende Testrunde mit einem Pilot dient dazu, das Lösungspotenzial einer vorgeschlagenen Lösung zu überprüfen. Er gibt dabei den Anwendern Gelegenheit eigene, alternative Lösungsvorschläge und alternative Ideen einzubringen.8. Evaluation und Einführung Die Auswertung der Pilot-Testphase führt gegebenenfalls zu einer Adaption. Danach wird der Lösungsvorschlag umgesetzt und eingeführt (Roll-Out).


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Beispielhafter GPoWM Prozess




























Kritik
Zwar sind Geschäftsprozesse die Wissensplattformen des Unternehmens (der Ansatz bietet dementsprechend wichtige Ansatzpunkte für Verbesserungen und neu gewonnene Wettbewerbsvorteile); im Hinblick auf das individuelle, personengebundene Wissen des Einzelnen in jeder Organisation verliert der Ansatz jedoch die nötige Motivation der Mitarbeiter zum WIssenstransfer außer Betracht. So bleibt es fraglich ob ein Systemdesign allein ausreichend sein kann, um Wissen in einem Unternehmen effektiv zu managen und die Kernaufgaben des Wissensmanagement wahrzunehmen.





Quellen
  1. ^ Heisig, Peter: Geschäftsprozeßorientiertes Wissensmanagement. In: Jürgen P. Bläsing (1999): Total Business Knowledge Management –Wissensmanagement verändert Unternehmen, Ulm.
  2. ^ http://www.dfki.de/web/forschung/km/kompetenz/forschung/geschaftsprozessorientiertes-wissensmanagement